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Zur Geschichte unserer Pfarrgemeinde

Die Christianisierung des Emslandes und
der Beginn der Salzbergener Kirchengeschichte

Gegen Ende des 7. Jahrhunderts gelangten die ersten Missionare in das Gebiet des heutigen Emslandes und Münsterlandes. Sie kamen aus Irland und England, um Friesen und Sachsen für das Christentum zu gewinnen. Der Stamm der Sachsen, der sich seit dem 5. Jahrhundert in dem Land zwischen Elbe und Rhein immer mehr ausbreitete, hielt noch bis zum Ende des 8. Jahrhunderts mit aller Macht an seinem alten Glauben fest, während die Franken bereits zum Christentum übergetreten waren. Die Versuche, die Sachsen auf friedlichem Wege für das Christentum zu gewinnen, waren vergebens. Suitbert (um 693), der erste Missionar in unserer Gegend, hatte genau so wenig Erfolg wie die beiden Ewalde, die einige Jahre später von den Sachsen erschlagen wurden.
Erst Karl dem Großen gelang es nach vieljährigem harten Kampf, die Sachsen unter ihrem Führer Widukind dem christlichen Glauben zuzuführen. Gegen Ende des 8. Jahrhunderts begann das Christentum in unserer Gegend festeren Fuß zu fassen. Karl der Große hatte in dem Friesen Liudger einen hervorragenden Missionar für das Land an der Ems. Als erster Bischof von Münster (gestorben 809 in Billerbeck) gründete er zahlreiche Kirchen. Es darf als ziemlich gesichert angesehen werden, daß die bereits bestehende Kirche zu Emsbüren (wurde 819 als Kirche von Saxlinga in einer Urkunde Kaiser Ludwigs des Frommen erwähnt) von Liudger zur Pfarrkirche erhoben wurde. Die dem hl. Dionysius geweihte Kirche auf dem königlichen Hofgute Reni (Rheine) ist wahrscheinlich eine Gründung des hl. Liudger. Diese ohne Zweifel unter Karl dem Großen erbaute Kirche wird erstmals in einer Urkunde Kaiser Ludwigs des Frommen vom 7. Juni 838 erwähnt.
Die St. Dionysiuskirche in Rheine war der Mittelpunkt eines sehr großen Pfarrbezirkes, zu dem neben 16 anderen Bauerschaften auch Tres Domos in foresto (drei Häuser im Walde) gehörte. Ludwig Schriever schreibt in seinem Buch „Geschichte des Kreises Lingen", dass dieses „Tres Domos in foresto" nichts anderes sei als das Gebiet von Salzbergen. Gegen Entrichtung des Zehnten mussten diese Bauerschaften in Rheine taufen und beerdigen lassen.
Da der Weg zur Kirche nach Rheine für die Bewohner einiger Bauerschaften sehr weit war, wurde unter dem Bischof Siegfried von Münster (1022 - 1032) der Versuch gemacht, an solchen Orten Kirchen zu gründen, wo sie nötig waren. Hierbei erwarben sich große Verdienste die Edle Reimond und ihre Tochter Frederuna, die ihr reiches Vermögen zur Gründung von 7 neuen Kirchen bestimmten, u.a. in Binutlage (Bentlage), wo die Edle Reimond begütert war. Zu dieser Kirche, die der heiligen Gertrudis geweiht war, sollte nun auf Anordnung des Bischofs neben anderen Bauerschaften auch Tres Domos in foresto gehören. Man kann daraus schließen, dass Salzbergen (Tres Domos in foresto) um 1022 noch keine eigene Kirche besaß.
Erste Erwähnung einer Pfarre in Salzbergen
In einer Urkunde des Bischofs Hermannus II von Münster aus dem Jahre 1181 erfährt man in einem Nebensatz von einer Pfarrei (parochia) in Salzbergen. Eine knappe Inhaltsangabe dieser Urkunde findet sich bei Ludwig Schriever „Geschichte des Kreises Lingen", Bd. 2, S. 373. Es heißt dort:
„Das Vorhandensein der Kirche daselbst wird schon 1181 bezeugt. Denn Bischof Hermann von Münster stiftete 1181 eine Messe in der Paulskirche, dem alten Dome zu Münster, am Servatiusaltar zu Ehren der heiligen Jungfrau und wies zu dem Zwecke vier Gulden aus der Curtis (Hof) des Theodoricus von Salzbergen und ebenso einen Gulden und den halben Zehnten aus dem Hofe des Gerhardus de Benetlage (Bentlage) an. Dabei wird die Bemerkung gemacht, dass Benetlage in der Parochie Salzbergen gelegen sei. Wenn letzteres auch unrichtig ist..., so erkennen wir doch, dass Salzbergen schon 1181 eine Pfarrkirche hatte. Die Existenz der Pfarrkirche wird ebenfalls nachgewiesen in einer Urkunde des Bischofs Hermannus II von Münster von 1184."
Die Pfarrgründung muss also zwischen 1022 und 1181 erfolgt sein. Über Aussehen, Größe und Standort dieser ersten Kirche gibt es keinerlei Hinweise. Ob das Geschlecht der Edlen von Saltesberg, das zu der Zeit seinen Edelhof (Burg?) in Salzbergen hatte, die Kirchengründung in Salzbergen betrieben hat, ist nicht bekannt. Denkbar wäre es, zumal die Edlen wiederholt in Urkunden genannt werden, aus denen ihre gute Stellung zur Kirche hervorgeht.
Wem war die Salzbergener Kirche anfänglich unterstellt?
Aus dem bereits Genannten geht hervor, dass mit der Kirchengründung in Rheine um 800 die umliegenden Bauerschaften - auch Salzbergen als Tres
Domos in foresto - zur Pfarrei St. Dionysius gehörten, daß mit der Gründung der St. Gertrudenkirche in Bentlage etwa um 1022 Salzbergen nunmehr nach dorthin orientiert war und daß Salzbergen 1181 eine eigene Pfarre (parochie) war. Neben der kirchlichen Zugehörigkeit Salzbergens zu Rheine in ältester Zeit gehörte Salzbergen ebenso zur Mark Rheine und zum Gogericht Rheine, und unter der Thiepforte von Rheine wurde das Holzgericht des Salzbergener Brookes abgehalten. All diese Punkte zeigen die Verquickung Salzbergens mit Rheine von jeher.

Darüber, wem nun die Salzbergener Kirche unterstellt war, gehen die Meinungen auseinander. Nach Tibus, dem Verfasser der „Gründungs-geschichte der Stifte, Pfarrkirchen, Klöster und Kapellen des alten Bistums Münster", 1885, war die Salzbergener Kirche anscheinend der St. Laurentiuskirche in Schüttorf unterstellt. Schriever, der Verfasser der „Geschichte des Kreises Lingen", 1910, gelangt zu der Überzeugung, dass St. Dionysius in Rheine die Mutterkirche von Salzbergen ist.
Über das Patronatsrecht
Wer nach der Kirchengründung in Salzbergen das Patronatsrecht ausübte, ist nicht bekannt. War es die Abtei Herford, die seit 838 das Patronatsrecht über die Pfarrei Rheine hatte und somit später auch über Salzbergen, oder waren es die Edlen von Saltesberg, die vermutlich die Stifter der Salzbergener Kirche waren?
Der Patron hatte seiner Patronatskirche gegenüber Rechte und Pflichten. Zu den Rechten gehörte es z.B., den Pfarrer seiner Kirche zu präsentieren. Pflicht des Patronatsherren war es u.a., für den Unterhalt der Kirche und des Pfarrers zu sorgen, aber auch die Einkünfte und den Schatz der Kirche nach Kräften zu mehren.
Das Patronatsrecht über die Salzbergener Kirche übten seit 1326 die Grafen von Bentheim aus. Dieses Patronatsrecht übertrug Graf Ernst Wilhelm von Bentheim am 30. September 1684 dem Kreuzherrenkloster Bentlage. Nach der Bentlager Urkunde geschah dies auf Bitten des Bentlager Kreuzherren Konvents. Offenbar wollte der 1688 im Bentlager Kloster vom Kalvinismus zum Katholizismus konvertierte Graf ausschließen, dass mit diesem Patronat Missbrauch getrieben werden könnte, wenn dieses wieder in die Hände der reformierten Linie des Hauses Bentheim fallen würde.
Seitdem übten die Kreuzherren zu Bentlage das Patronatsrecht aus, zuletzt am 7. April 1795, als sie Karl Anton Bothe zum Pastor von Salzbergen präsentierten.
Durch die Säkularisation 1803 wurde das Kloster Bentlage aufgehoben und ging in den Besitz des Herzogs von Looz - Corswarem über, der für seine Besitzungen in den Niederlanden, die nach dem Reichsdeputationshauptschluß an die Französische Republik fielen, das nun neu gegründete Fürstentum Rheina-Wolbeck erhielt. Salzbergen gehörte nun auch zu diesem sonderbaren kleinen Fürstentum. Das Kloster Bentlage nahm er als seinen Wohnsitz.
Im Jahre 1849 forderte nach dem Tode von Pastor Karl Anton Bothe der damalige Besitzer des Klostergutes Bentlage, Graf Napoleon de Lannoy-Clervaux, Enkel des ersten Herzogs von Rheina-Wolbeck Wilhelm Josef von Looz-Corswarem und III. Fürst zu Rheina-Wolbeck, die Präsentation des neuen Pastors in Salzbergen. Dieses Ansinnen wies Weihbischof Lüpke von Osnabrück entschieden zurück mit der Begründung, die geistliche Korporation der Kreuzherren, welche dieses Präsentationsrecht wirklich gehabt habe, existiere nicht mehr, damit sei das Präsentationsrecht (Patronatsrecht) erloschen.
Nachfolger des verstorbenen Pastors Karl Anton Bothe wurde am 14. Juni 1850 Pastor Johann Hermann Berning. Er war der erste, der ohne Präsentation durch einen Patron ernannt wurde.

Die alte St. Cyriakuskirche

Unser Kirchenpatron St. Cyriakus
Der heilige Cyriakus ist der Schutzpatron unserer Kirche. Ihm ist auch die älteste unserer Kirchenglocken im Jahre 1539 geweiht worden. Damit erscheint erstmals in der Geschichte unserer Kirchengemeinde der Name des heiligen Cyriakus. Ältere Urkunden, die den hl. Cyriakus als den Schutzpatron unserer Kirche ausweisen, gibt es nicht.
Die älteste Glocke (1539) trägt die Inschrift:
"Anno domini m ccccc xxx v iiii sanctus ciliakus unse hillige patroen. Bidde voer uns ihesum in des himmels troen ". Diese Glocke blieb unserer Kirche bis auf den heutigen Tag erhalten. (Auf der Glocke steht „ciliakus" und nicht „ciriakus".)
Die Wahl des heiligen Cyriakus als Kirchenpatron durch die Gründer (Stifter) der Kirche im 11. oder 12. Jahrhundert kann wahrscheinlich mit einer alten Salzgewinnung in Salzbergen in Verbindung gebracht werden, da der hl. Cyriakus als Schützer des Salzwesens betrachtet wird.

Wer war dieser heilige Cyriakus?

Verdient machte er sich um die zur Sklavenarbeit beim Thermenbau des römischen Kaisers Diokletian verurteilten Christen. Vermutlich erlitt er im März 309 den Martertod. Er wurde an der via salaria (Salzstraße) bei Rom enthauptet. Die via salaria war so genannt, weil auf ihr die Sabiner das Salz aus Rom ausführten. Sein Grab befand sich am 7. Meilenstein der via ostiensis (Rom). Das Fest des hl. Cyriakus wird nach alten römischen Märtyrerakten am 8. August gefeiert. Dass die alte Salzbergener Kirche eine Reliquie des heiligen Cyriakus besaß, kann man dem Festbericht des Pfarrers Hermann Steffens vom 12. August 1897 anlässlich der Grundsteinlegung der neuen Kirche am 8. August 1897 an den Bischof von Osnabrück, Dr. Bernhard Höting, entnehmen.
Dort heißt es u.a. „Erwähnt soll noch werden, daß wir eine Statue des hl. Cyriakus aus dem 15. Jahrhundert vom Domprobst Dr Berlage, und eine von Seiner Eminenz, dem Cardinal Krementz beglaubigte Reliquie des hl. Cyriakus erhalten haben. Die hier vorhandene Reliquie des hl. Cyriakus wurde vorläufig in eine Kapsel gelegt, versiegelt und hierüber ein Protokoll aufgenommen."
Bei der Zerstörung unserer Kirche am 6. März 1945 wurden sowohl diese Statue des hl. Cyriakus als auch das Ölgemälde, den hl. Cyriakus darstellend, vernichtet. Das jetzige Bild des hl. Cyriakus (dem zerstörten Bild ähnlich) malte die Meppener Künstlerin Cilly Goy. Dieses Ölgemälde befindet sich an der Stirnwand des linken Seitenschiffes. Cyriakus im Gewand eines Diakons hängt an einer Kette einen gefesselten Drachen zum Zeichen seines Sieges über den Teufel. In der linken Hand trägt Cyriakus die Siegespalme.

Aus: St. Cyriakus Salzbergen - 100 Jahre neugotische St. Cyriakus-Kirche 1903 – 2003, Seite 19 – 26, von Hermann Schnieders

Dieser Drache wurde im Jahre 2012 am Tage der Herbstkirmes in Salzbergen aus dem Gemälde herausgeschnitten.
(Lingener Tagespost) Salzbergen. „Wir wollen unseren Drachen wieder!“, skandieren die Kinder des St. Augustinus Kindergartens in der St. Cyriakus-Pfarrkirche in Salzbergen direkt in die Kamera eines Fernsehteams vom NDR.

Den oder die Täter hat man nicht herausgefunden. Die Gemeinde hat sich dazu entschlossen, dieses Gemälde wieder herstellen zu lassen. Der Bad Iburger Künstler und Maler Werner Godt hat es fast perfekt restauriert, so dass das Gemälde wieder auf seinen alten Platz hängt.